Hauspreise Steyr: was die amtlichen Zahlen wirklich sagen
Die Statistik Austria weist für Häuser in Steyr 27 Werte aus, von 1.498 bis 5.111 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Am stärksten wirken Baujahr und Wohnfläche, das Grundstück wirkt mit. Und genau deshalb wird ein Einfamilienhaus nach einem anderen Verfahren bewertet als eine Eigentumswohnung.
Beim Haus geht die übliche Rechnung nicht auf. Bei einer Wohnung kann man Quadratmeterpreis mal Fläche rechnen und liegt in der richtigen Größenordnung. Beim Haus stecken in dieser einen Zahl zwei völlig verschiedene Dinge: das Gebäude und der Grund darunter. Die amtliche Statistik trägt dem Rechnung, indem sie Häuser nach der Grundstücksgröße in drei Kategorien teilt.
Die amtliche Tabelle für Steyr
| Bis 1960 | 1961–1990 | Ab 1991 | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| unter 110 m² | 110–150 m² | über 150 m² | unter 110 m² | 110–150 m² | über 150 m² | unter 110 m² | 110–150 m² | über 150 m² | |
| Kategorie A, Grundstück unter 600 | 2.695 | 2.014 | 1.498 | 2.974 | 2.223 | 1.653 | 4.528 | 3.384 | 2.517 |
| Kategorie B, Grundstück 600 - 930 m² | 2.839 | 2.122 | 1.578 | 3.493 | 2.611 | 1.941 | 4.535 | 3.390 | 2.521 |
| Kategorie C, Grundstück über 930 m² | 3.259 | 2.436 | 1.812 | 3.579 | 2.675 | 1.989 | 5.111 | 3.820 | 2.841 |
Statistik Austria, Immobilien-Durchschnittspreise, Jahrgänge 2016–2025 (veröffentlicht 28.05.2026). Bearbeitet: Jahrgänge zu Zeitreihen zusammengeführt, Veränderungen daraus berechnet.
Alle Werte sind Euro je Quadratmeter Wohnfläche, nicht je Quadratmeter Grundstück. Der Grundwert steckt also im Quadratmeterpreis der Wohnfläche drinnen. Deshalb steigen die Werte von Kategorie A nach C, obwohl das Gebäude dasselbe sein kann.
Beachten Sie die Größengrenzen: In Steyr beginnt Kategorie C bei 930 Quadratmetern Grundstück, in Steyr-Land erst bei 1.010 und im Bezirk Kirchdorf bei 1.050. In Linz liegt dieselbe Grenze bei 800. Die Kategorien sind also nicht bezirksübergreifend vergleichbar. Ein „großes Grundstück“ heißt in jedem Bezirk etwas anderes.
Was man an der Tabelle ablesen kann
Das Grundstück wirkt, aber gedämpft
Zwischen Kategorie A und Kategorie C liegen in Steyr bei gleichem Baujahr und gleicher Wohnfläche 13 bis 21 Prozent. Ein Haus mit 130 m² Wohnfläche auf einem 500-m²-Grundstück und dasselbe Haus auf 1.000 m² sind statistisch zwei verschiedene Objekte, aber der Abstand ist überschaubar. Beim Neubestand ab 1991 liegen die Kategorien A und B sogar praktisch gleichauf.
In Linz liegen zwischen A und C bis zu 93 Prozent. Das ist die logische Folge der Grundstückspreise: Wo der Quadratmeter Bauland 245 Euro kostet statt 537, macht ein zusätzlicher Ar auch weniger aus.
Mehr Wohnfläche heißt weniger je Quadratmeter
In jeder Zeile fällt der Quadratmeterpreis von der kleinsten zur größten Flächenklasse um rund 44 Prozent. Das ist kein Rechenfehler, sondern der Grundwert, der sich auf mehr Wohnfläche verteilt, und der Umstand, dass sehr große Häuser einen kleineren Käuferkreis haben. Für die Praxis heißt das: Ein Zubau bringt fast nie den Quadratmeterpreis des Bestands.
Das Baujahr macht in Steyr den größten Sprung
Die Häuser ab 1991 liegen in allen drei Kategorien an der Spitze, und zwar 30 bis 52 Prozent über den Häusern der Baujahre 1961 bis 1990. Das ist ein größerer Abstand als der zwischen kleinem und großem Grundstück. In Linz ist das anders: Dort fällt die Neubauzeile bei kleinen Grundstücken sogar unter den Bestand aus 1961 bis 1990.
Am unteren Ende stehen die Häuser bis 1960. Sie liegen in jeder Kategorie unter denen aus 1961 bis 1990, beim mittleren Grundstück um 19 Prozent.
Warum ein Haus anders bewertet wird als eine Wohnung
Für eine Eigentumswohnung ist das Vergleichswertverfahren das richtige: Es gibt genug ähnliche Wohnungen, die tatsächlich verkauft wurden.
Beim Einfamilienhaus arbeitet man mit dem Sachwertverfahren. Der Grund und Boden wird über den Vergleichswert angesetzt. Dafür gibt es die Grundstückspreise, das Gebäude über die Herstellungskosten abzüglich Alterswertminderung. Erst am Ende wird das Ergebnis an den Markt angepasst. Der Grund für dieses Verfahren ist banal: Zwei Einfamilienhäuser sind selten so ähnlich, dass man sie direkt vergleichen kann. Grundriss, Ausbaustufe, Keller, Garage, Zubauten und der Zustand der Haustechnik unterscheiden sich immer.
Bei vermieteten Objekten und Zinshäusern kommt zusätzlich das Ertragswertverfahren ins Spiel, weil dort der erzielbare Mietertrag den Wert bestimmt und nicht die Wiederbeschaffung.
Der Energieausweis beim Hausverkauf
Ein Energieausweis ist für Gebäude vorgeschrieben, die verkauft oder vermietet werden. Für ein unbebautes Grundstück braucht es keinen, und für ein Abbruchobjekt ebenso wenig.
Bezahlt wird er immer vom Eigentümer, auch wenn der Makler die Erstellung organisiert. Zum Preis lässt sich schwer etwas Allgemeines sagen, die Angebote reichen von reinen Online-Anbietern bis zum Ziviltechniker. Das Kriterium, auf das es ankommt, ist ein anderes: Der Ersteller muss tatsächlich vor Ort gewesen sein. Ein Ausweis, der ohne Besichtigung aus übermittelten Plänen entsteht, ist im Streitfall angreifbar, und beim Hausverkauf ist der Energieausweis Vertragsbestandteil, kein Formular.
Praktisch wichtiger als der Kennwert ist ohnehin der tatsächliche Verbrauch. Die Heizkostenabrechnungen der letzten zwei bis drei Jahre gehören in jede Unterlagenmappe. Käufer glauben einer Abrechnung mehr als einer Farbskala, und bei einem gut gewarteten Altbestand ist der reale Verbrauch oft besser als der rechnerische Kennwert.
Wie sich Häuser und Wohnungen in zehn Jahren entwickelt haben
Die beiden Kurven laufen in Steyr auseinander. Das Haus der Baujahre 1961 bis 1990 auf mittlerem Grundstück hatte 2022 mit 2.990 Euro je Quadratmeter seinen Höchststand und liegt 2025 bei 2.611. Die Eigentumswohnung desselben Baualters mit Außenfläche ist im selben Zeitraum weiter gestiegen und hat sich seit 2016 mehr als verdoppelt.
Mehr dazu im Beitrag Immobilienpreise Steyr: die Entwicklung.
Häufige Fragen
Zu welcher Kategorie gehört mein Grundstück?
Die Grenzen sind je Bezirk verschieden und stehen in der Tabellenüberschrift. Für die Stadt Steyr gilt: unter 600 Quadratmetern Kategorie A, 600 bis 930 Kategorie B, darüber Kategorie C. Maßgeblich ist die Grundstücksfläche laut Grundbuch, nicht die bebaute Fläche.
Rechne ich Wohnfläche mal Quadratmeterpreis und habe den Hauswert?
Als grobe Einordnung ja, als Verkaufspreis nein. Der amtliche Wert kennt Ihr Grundstück nur über die Größenkategorie, nicht über Lage, Zuschnitt und Widmung, und Ihr Gebäude nur über Baujahr und Fläche, nicht über Zustand, Keller, Heizung, Garage oder Zubauten.
Brauche ich für eine Verlassenschaft oder Scheidung ein Gerichtsgutachten?
Für Sie als Eigentümer ist ein Gerichtsgutachten nirgends vorgeschrieben, auch nicht bei Verlassenschaft oder Scheidung. Stellt ein Gericht selbst den Wert fest, zieht es einen gerichtlich beeideten Sachverständigen bei. Klug ist ein beeidetes Gutachten trotzdem oft, weil es praktisch nicht angreifbar ist, wenn die Beteiligten unterschiedlicher Meinung sind. Für die Frage „was bringt das Haus am Markt“ ist eine Bewertung durch einen Immobilientreuhänder der schnellere und meist realitätsnähere Weg.
Was ist mit Zubauten, die nicht im Plan stehen?
Die gehören vor dem Verkauf geklärt, nicht danach. Ein nicht bewilligter Zubau ist verkäuflich, wenn er auffällt, eingepreist wird und der Käufer schriftlich bestätigt, dass er ihn kennt. Der teure Fehler ist nicht der Mangel, sondern der Mangel, der erst beim Notar auftaucht.
Wie aktuell sind die Zahlen?
Jahrgang 2025, veröffentlicht am 28. Mai 2026 von der Statistik Austria. In den Wert fließen die Kaufverträge von 2021 bis 2025 ein, hochgerechnet auf das Preisniveau 2025.